Die Flutengöttin Salaha

Als die Fluten noch die hohen Gipfel der Berge bespülten‚
als alle die umherstehenden Berge noch keinen Namen hatten,
auch noch keine heiligen Haine trugen
und in ihren Schluchten keine Kobolde hegten,
vor uralten Zeiten also,
da selbst der Fluß noch dahinrauschte,
ohne schon genannt zu werden,
tauchte die Flutengöttin Salaha aus den Tiefen auf
und schenkte dem Fluß ihren Namen.
Weil sich aber die Schluchten der Gebirge noch nicht gebildet,
das Wasser sich noch nicht in die Täler verlaufen,
fand die Nixe nur einen einzigen Fels,
der trocken und bloß war.
Auf ihm ließ sie sich nieder und trocknete ihr Haar.
So wurde der Fels später Salahas Altar,
auch nach Salatar oder zuletzt einfach Saltar genannt,
wo die Flutengöttin ihren ersten Wohnsitz gefunden.
Lange Zeit danach wurde Salaha
von den Nixen anderer Quellen bemerkt
und von denen freundlich aufgenommen.
Darauf zog sie in deren Wiesen,
wo sie noch viele Jahrhunderte hindurch,
auch als sich die weiten Fluten schon verlaufen,
von den Bewohnern göttlich verehrt wurde …

 
(aus: Günter Wachter, Der Schatz unterm Stelzenbaum, Schleiz 1978)