Das Hüttenmännchen von Burgkhammer

Der Burgkhammer an der oberen Saale lieferte viele Jahrzehnte lang das beste Eisen weit und breit. Das lag jedoch nicht allein am Werk oder am besonderen Erz oder an den Arbeitern, sondern vor allem an den Hüttenmännchen, die in ihrem unterirdischen Reich lebten, die Schätze der Berge hüteten und fleißigen Menschen halfen. So erschienen sie auch Nacht für Nacht in der Hammerschmiede‚ prüften die Güte des Tages Arbeit, besserten hier und dort noch aus, so daß am Ende Eisen und Blech stets von gleich guter Qualität waren und überall gern gekauft wurden.

Nun kann einer Tages ein neuer Geselle in den Hammer, der sich eines Nachts versteckte, um den Hüttenmännchen bei ihrer Arbeit einmal zuzusehen. Er verbarg sich unter einem Weidenkorb und wartete in tiefstem Schweigen bis Mitternacht. Mit dem letzten Glockenschlag kamen dann die kleinen Männchen herein. Sie trugen lange Bärte, die über das lederne Wams bis auf die leinenen Kniehosen reichten. An den Füßen trugen sie Holzschuhe, und den Kopf bedeckte eine Zipfelmütze. Schnell entzündeten sie das Schmiedefeuer, und nach kurzer Zeit hämmerten sie munter drauflos.

Doch in dieser Nacht ging die Arbeit nicht lange voran. Eines der Männchen wurde unruhig; es fühlte einen fremden Blick auf sich gerichtet. Mit einer glühenden Eisenstange leuchtete es jeden Winkel der Schmiede ab und kam auch an das Versteck es neugierigen Gesellen. Bei der Berührung mit dem Korb brannte die Glut des Eisens den Korb sofort durch, und der glühende Stab traf genau in ein Auge des Verborgenen.

Der Schrei des Geblendeten vermischte sieh mit den Klagelauten der Entdeckten, und da nun gerade auch noch der erste Hahnenschrei erklang, warfen die Hüttenmännchen alles Werkzeug von sich und eilten ihren Bergen zu. Im Hammer jedoch wurden sie nie wieder gesehen. Der Betrieb geriet bald ins Stocken‚ bis man ihn dann gänzlich still legte …

 
(aus: Günter Wachter, Der Schatz unterm Stelzenbaum, Schleiz 1978)